2011
20 Jahre Gärtnerei Angelika Haider
75 Jahre Gärtnereibetrieb

Mittweida 1816. Die Spinnerei wird gegründet.
Mit dem Aufschwung der Textilindustrie Anfang des 19.Jh begann Mittweidas Aufstieg zu einer der bedeutendsten Textilindustriestädte Sachsens. Rings um Mittweida vorhandene Lehm, Sand und Tonvorkommen ließen auch Ziegeleien entstehen um den wachsenden Bedarf an Baumaterial zu sichern. Ein größeres Lehm- und auch Sandvorkommen gab es auf dem „Wind“, einem Flurstück am damaligen Ortsausgang Mittweidas in Richtung Chemnitz, welches ab Mitte des 19.Jh den Bau von Ziegeleien an der Chemnitzer Straße erklärt. Die erste Ziegelei, Besitzer war Adolf Hering, entstand an der Einmündung des Dreiwerdener Weges zur Chemnitzer Strasse, dem Grundstück der heutigen Gärtnerei Haider.
Die Bezeichnung „Zum Wind“ war treffend gewählt, schreibt der Heimathistoriker Walter Oehme in den Mittweidaer Stadtnachrichten. Spürt man an dieser Stelle selbst bei Windstille meist ein Lüftchen wehen. In einer baupolizeilichen Verfügung vom 16. Dezember 1886 kann man lesen: „Die Ziegelscheune am Viehweg (Dreiwerdener Weg) hat der ewig wehende Westwind um 40 Zentimeter aus dem Lot gerückt. Der Abriß muß innerhalb von acht Tagen erfolgen."
Wie lange genau auf Herings Grundstück Ziegel hergestellt wurden, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Albert Meding 1935 einen Antrag zum Abriss der Brennkammer und ein Bauantrag zur Errichtung eines Gewächshauses an gleicher Stelle, eingereicht hat. Dieses wurde später durch weitere Gewächshäuser erweitert. Es ist also davon auszugehen, dass 1936 das Gründungsjahr dieser heutigen Gärtnerei gewesen ist. Mit Entstehung der Gärtnerei wurde auch das 1900 erbaute Zieglerhaus (Wohnhaus Chemnitzer Strasse 43) vom damaligen Pächter, Meding Albert, durch einen Anbau erweitert, welcher bis 1992 als Laden und Binderaum diente.
Anfang der Fünziger Jahre erwarb Karl Hanemann die Gärtnerei Meding nach dessen Tod, und verpachtete diese bis 1958 an Gerhard Baumgart. 1962 verstarb der Eigentümer Karl Hanemann und somit stand der Gärtnereibetrieb erneut zum Verkauf. Mein Vater, Kurt Hertler, übernahm 1963 die Gärtnerei zunächst als Pächter. Mit dem Kaufvertrag vom August 1965 war Kurt Hertler Besitzer des Betriebes und führte diesen über 25 Jahre unter der unternehmerfeindlichen Politik der damaligen Parteiführung-Führung der DDR.
Nach der "Maueröffnung am 9.Nov. 1989 war es nur eine Frage der Zeit bis zur "Deutschen Wiedervereinigung" und mit Einführung der D-Mark im Juli 1990, praktisch schon vollzogen.
Die vollkommen neue wirtschaftliche Situation, sowie der Eintritt meines Vaters ins Rentneralter hatte wohl zu seiner Entscheidung geführt, die Gärtnerei abzugeben.
Im Juli 1991 übernahm ich die Gärtnerei Hertler.
Zum Zeitpunkt der Übernahme des Betriebs meines Vaters war die Gärtnerei, geprägt von sozialistischer Mangelwirtschaft, in einem vollkommen maroden baulichen Zustand. Der 1936 in dem Anbau entstandene Blumenladen war nur etwa 16 qm groß und baulich in den vergangenen 55 Jahren nicht verändert worden. Nach und nach wurde klar, dass wir mit der herkömmliche Produktion und der Marktfähigkeit unserer Produkte nicht überleben können. Das betraf sowohl das Sortiment und Qualität unserer Erzeugnisse, als auch die Blumenbinderei, welche ab jetzt den Namen "Floristik" trug. Mein Mann und ich hielten die Produktion von Blumen und Pflanzen in den engen Glashäusern und mit veralteter Technik auf ca. 3000 qm Freiland, weiterhin am Leben. Es musste also etwas geschehen, wenn der Betrieb weiterhin bestehen sollte. So gab es bald verschiedene Ideen und Projekte für einen neuen Laden.
1993 entstand unser heutiges Verkaufsgewächshaus. Eines der alten Glashaüser wurden 1995 rekonstruiert, der Rest komplett abgerissen und durch ein modernes Folie-Gewächshaus ersetzt.
Über einen Zeitraum von 10 Jahren hat sich aus unserer Gärtnerei ein ansehnliches Unternehmen entwickelt, dessen Schwerpunkt heute allerdings nicht mehr die Erzeugung von Gärtnereitypischen Produkten ist, sondern auf zeitgemäßer Floristik liegt. Auch über die Stadtgrenzen hinaus ist unser Familienbetrieb bekannt.  Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass wir auf einen zufriedenen Kundenstamm meines Vaters zurückgreifen konnten, der das Wörtchen „Nein“ für seine Kundschaft kaum kannte.